graphic   Obszön..., aber schööön. Das Barockjuwel Birnau.

Honigschlecker    
 

Inmitten von Weinreben grüßt die Wallfahrtskirche weithin sichtbar am Nordufer des Bodensees unweit von Überlingen. Die schloßähnliche Front lässt die apfelblütenfarbene Kirche anfangs nur erahnen.

  Birnau Frontseite
 
 

Betritt man das Innere des Kirchenschiffs, das durch zahllose Ornamente wie verschleiert wirkt, scheint der lichtdurchflutete "Himmelssaal" zu atmen. Die Gunst der Stunde führte in den Jahren 1746-1750 den Baumeister Peter Thumb, den Bildhauer Josef Anton Feuchtmayer und den Freskenmaler Gottfried Bernhard Göz zusammen, um eine der aussergwöhnlichsten Barockkirchen Süddeutschlands zu schaffen.

  Himmelssaal
 

Der Honigschlecker befindet sich rechts am Bernhard-Altar, der dem Ordensvater der Zisterzienser gewidmet ist. Das Altargemälde zeigt die Lactatio-Legende, nach der die Lippen des Heiligen Bernhard (1090-1153) durch einen Milchstrahl aus dem nackten Busen der Jungfrau Maria benetzt wurden.

Menschlich verständlich widmete sich Bernie fortan der Marienverehrung, der er als seiner Domina devot ergeben war. Und wie's der Teuf... äh - die Legende will, wurde er als "honigfließender Kirchenlehrer" wegen seiner "honigsüßen" Beredsamkeit bekannt, mit der er die Königreiche Europas zum Zweiten Kreuzzug aufhetzte.

Wer das bislang Gesagte als zu "obszön und gar nicht schön", als "Sakrileg" und "Blasphemie" empfindet, der habe angesichts tausender unehelicher Kinder von zölibatären Priestern die entblösten Brüste der ewigen Jungfrau Maria und eingedenk des Kindesmissbrauchs innerhalb katholischer Kirchen- und Klostermauern die Darstellungen zigtausender nackter Engel-Knäblein vor Augen und dann erst "werfe er den ersten Stein". Es sei denn, die nachfolgenden Ergüsse des Musterheiligen stimmen nachdenklich...

  Milchstrahl-Legende

 

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